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Gefühls-Spiel – Oder: Wie Emotionen in Games neue Spielerlebnisse erzeugen

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In allen Medienformen, vom antiken griechischen Theater, Buch, Hörspiel oder Film sind es Emotionen und starke Figuren, die diese voran treiben und sie sind das, was Menschen am meisten interessiert. Während Games in dieser Hinsicht bisher eher ein Nischendasein fristeten, in denen es sicher strahlende Ausnahmen gibt, erleben wir in letzter Zeit einen Wandel, was Emotionen in Games betrifft.

Horizon Zero Dawn

In diesem Jahr sind mir mehrere Games unter gekommen, die in Sachen Gefühle neue Maßstäbe setzen. Horizon Zero Dawn ist in mehrfacher Hinsicht ein Meilenstein. Ein exzellent inszeniertes Techno-Steinzeit-SciFi Setting, Next Level Grafik, perfekt designte Openworld und eine starke Heldin namens Aloy, die allen Klischees zu weiblichen Computerspielheldinnen widerspricht und vor allem durch emotionalen Tiefgang glänzt. Die inszenierte Beziehung von Aloy zu ihrem Ziehvater Rost mitsamt der dramatischen Momente sind hollywoodreif. Und sie erzeugen etwas, das neben den „alltäglichen“ Gamedesign-Tricks, um den Spieler im Game zu halten, stärker und stärker in modernen Videospielen hervorscheint: emotionale Bindung.
Neue Games überzeugen nicht mehr allein durch verbesserte Grafik, ein neues Thema, ein anderes Setting, neue Waffen, Special Effects oder Game Design Innovationen, nein, viele Entwickler erkennen das Potential von Emotionen.

Review zum Spiel

Hellblade: Senua’s Sacrifice

Ebenso in diesem Jahr erschienen, ist Hellblade: Senua’s Sacrifice, das wohl ambitionierteste Indie Game der letzten Jahre. Die Odyssee einer keltischen Kriegerin in die nordische Unterwelt Hel, um die Seele ihres Geliebten und letztlich sich selbst zu retten, gehört mit zu den eindrucksvollsten Erlebnissen der letzten Jahre in der Videospielgeschichte. Die Entwickler gehen noch einen Schritt weiter als Horizon Zero Dawns Aloy, indem der Fokus allein auf die Hauptfigur Senua gelegt wird – und ihren Psychosen. Dadurch, dass die psychisch kranke Hauptfigur nur mit ihren Stimmen im Kopf redet und so nach und nach ihren Charakter und ihre Geschichte offenbart, entsteht eine bisher ungewohnte Nähe zu einer Hauptfigur in einem Spiel. Umso stärker wirkt diese emotionale Bindung, gerade weil es ein Game ist und wir als handelnde Figur die Welt durch Senuas Augen erleben und damit auch all ihr Schmerz und Leid.

Review zum Spiel

Brothers: A Tale of Two Sons

Einige Jahre älter, aber bei mir erst jetzt auf Steam aufgetaucht ist Brothers: A Tale of Two Sons (2013), das damals ein Überraschungshit wurde und für mich ein Paradebeispiel dafür ist, wie sehr ein Game durch den Faktor Emotionen an Besonderheit gewinnt, ja ein absolutes Ausnahmespiel werden kann. Gerade das Reduzieren auf das Wesentliche ist das, was Brothers einzigartig werden lässt. Nachdem sie ihre Mutter verloren haben, versuchen zwei Brüder das Leben ihres Vaters zu retten, der tödlich erkrankt ist, in dem sie eine Reise zum Lebensbaum unternehmen, um dessen Saft abzuzapfen. So einfach der Plot, so tief die Gefühle, die während der nur wenige Stunden dauernden Heldenreise entstehen. Denn die beiden Brüder sind aufeinander angewiesen, wortwörtlich, denn der Spieler kontrolliert beide gleichzeitig, sodass wir hautnah miterleben, wie die Beziehung zu beiden wächst und welch Drama sie durchstehen müssen. Dabei übertreiben es die Entwickler nicht, sie setzen gezielt auf wenige Wendepunkte um Geschehen, die zugleich emotional aufwühlen und nachhaltige Wirkung erzeugen.

Der immer stärkere Einsatz von Emotionen in Games, die nicht schlicht den Film kopieren, sondern gerade Mechaniken von Videospielen nutzen, um entsprechende Effekte zu erzeugen, zeigt abermals auf, was Videospiele für Potential mit sich bringen.

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