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Mehr als ein Hobby – Oder: Wie wir in Games virtuelle Spuren hinterlassen

playertwo
Quelle: Youtube – „Player Two“

Es überrascht mich stets, dass es trotz seiner bald 50-jährigen Geschichte immer noch viele Menschen gibt, die Videospiele als etwas Sonderbares und Unwichtiges erachten. Es ist natürlich völlig okay, wenn jemand nichts mit Games anfangen kann. Nicht jeder kann jedem neuen medialen Trend folgen, das war schon immer so, wird wohl auch so bleiben. Aber was man nicht kennt, schlecht zu reden, ist eine andere Sache. In der Vergangenheit hat die Geschichte der Videospiele allerlei „Experten“ aus Politik, Psychologie, Soziologie erlebt, die schwere bis schwerste Geschütze gegen Games und Gamer aufgefahren haben. Erst in den letzten Jahren hat man das Gefühl, dass Gamer ihren Status als „Problemkinder“ mehr und mehr verlieren. Nicht zuletzt Angela Merkes Besuch auf der gamescom 2017 scheint Hoffnung für einen neuen Wind zu geben.

Trotz dieser Entwicklung ist es erstaunlich, dass viele, auch Gamer selbst, ihrem Hobby nicht dieselbe beeinflussende Wirkung zuweisen, wie beispielsweise einem guten Film, einem Buch oder Theaterstück. Ich spreche hier von außergewöhnlichen Medien, die einen menschlich berühren und verändern, dass man glaubt, jemand anderes zu sein, nachdem man sie erlebt hat. Und ja, dieses verändernde Gefühl gibt es auch im Videospiel. (Das kommt dem am nächsten, was ich in meiner Interpretation von Katharsis verstehe) Bei Games gibt es jedoch eine einzigartige Besonderheit. Im Gegensatz zu Film, Buch und Theater, bei dem wir passiv die Geschichte erleben, können wir im Videospiel selbst etwas Neues erschaffen. Wir hinterlassen Spuren, da wir Teil des Spiels sind.

Mir ist dies insbesondere durch einen Video deutlich geworden. Es veranschaulicht die Geschichte eines Jugendlichen, der in den Kommentaren eines YouTube Videos erzählt, wie sein Vater verstorben ist.

In dem Video berichtet der Junge, wie er und sein Vater gemeinsam Stunden um Stunden an der ersten Xbox verbracht haben und er ihn mit 6 Jahren verloren hat. 10 Jahre lang war der Junge nicht fähig, diese Konsole zu berühren. Doch als er es tat und das Rennspiel Rally Sports Challenge spielte, fand er einen Geist vor, wortwörtlich. Rennspiel-typisch werden die Rekordzeiten eines Spielers gespeichert und andere Spieler können die Rekorde nachfahren. Der Geist im Spiel, dem der Jungen nun nachjagte, stammte von der Rekordzeit seines Vaters. Der Sohn fuhr mit seinem virtuellen Wagen somit seinem Vater hinterher und wurde jedes mal besser und besser.

Als jedoch der Moment kam, da der Sohn den Vater überholen und damit dessen Rekord brechen würde, bremste der Junge vor der Ziellinie ab. Er wollte nicht, dass er den Geist-Fahrer löschte und damit die Erinnerung an seinen Vater.

So schön und traurig diese Geschichte ist, zeigt sie, dass wir als Spieler in einem Game etwas bewirken können, dass für andere Menschen emotionale Bedeutung hat. Das kann die Rekordzeit in einem Rennspiel sein, ein hoch gelevelter Charakter in einem Rollenspiel, Let’s Play Videos oder eine über Jahre erschaffene Welt in Minecraft. Verwandte und Freunde können in Games unsere Wirken nacherleben und somit eine einzigartige Erinnerung an uns gewinnen.

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